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Thema anzeigen - Marktchancen im internationalen Markt für Geoinformationen


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BeitragVerfasst: Di 10. Jun 2008, 19:36 
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Eine heute vorgestellte Studie der Micus Management Consulting GmbH "Chancen für Geschäftsmodelle deutscher Unternehmen im europäischen und im globalen Geoinformationsmarkt" sieht für deutsche Firmen erhebliche Marktchancen im internationalen Markt für Geoinformationen.
http://www.heise.de/newsticker/Der-Mark ... ung/109261

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BeitragVerfasst: Di 10. Jun 2008, 23:09 
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Geomaster

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moenk hat geschrieben:
Eine heute vorgestellte Studie der Micus Management Consulting GmbH "Chancen für Geschäftsmodelle deutscher Unternehmen im europäischen und im globalen Geoinformationsmarkt" sieht für deutsche Firmen erhebliche Marktchancen im internationalen Markt für Geoinformationen.
http://www.heise.de/newsticker/Der-Mark ... ung/109261



Ich schließe mich der eher pessimistischen Ansicht der TU Wien an. Die Art und Weise mit der die über Steuergelder finanzierten Daten dem Verbraucher zugänglich gemacht werden, spottet jeder Beschreibung.

* Um an qualitativ gute Daten von gesamt Deutschland zu kommen braucht man einen Goldesel. Wie im Artikel beschrieben geht das auch anders.

* Bei den DEM (Digital Elevation Model) Daten sieht das ähnlich aus. USA kein Problem. In Europa insbesonderes Deutschland zu horrenden Preisen.

Man muss hierzu bedenken, dass diese Daten ja schon alle bezahlt sind. Steuern sei Dank. Es kommt aber noch schlimmer.

Die Ämter, insbesonderes in Bayern, setzen zwar neuerdings gerne auf offene Standards in ihrer eigenen IT Infrastruktur (Linux). Nutzen also gerne Open Source für lau. Selber halten sie es mit der Offenheit nur sehr bedingt. Es stinkt zum Himmel, dass die Topo Karten in einem proprietären Format verkauft werden, von dem ein privatwirtschaftliches Unternehmen (EADS) profitiert. Der Staat zementiert hiermit das Monopol von EADS und Microsoft. Vorne Hui, hinten Pfui.

EADS bringt es sogar so dreist, dass es gleich 2 mal abkassieren will. Jede Topokarte wird mit dem Geogrid Viewer verkauft (1. Mal). Und EADS will bei jeder Software mitverdienen, die das Geogrid Format liest (2. Mal). Dieses wird zum einen erzwungen, da ein kommerzieller Anbieter es sich nicht leisten kann ein proprietäres Format zu unterstützen, dass er nicht 100% kennt. Zum anderen setzt EADS eine Menge FUD in die Welt, indem es behaupten das Geogrid Format wäre verschlüsselt. Ein Auslesen würde somit geltendes Recht brechen. Das ist Quatsch. Das Geogrid Format beinhaltet alle Daten in Klartext. Ein Schlüssel ist nicht nötig. Die Kartendaten sind als Kacheln LZW kodiert. Die einzige Besonderheit ist eine erweiterte Farbtabelle, die aus heutiger Sicht nichts bringt. Daten binär und undokumentiert abzulegen gilt zum Glück noch nicht als Verschlüsselung.

Das hält die Rechtsabteilung von EADS nicht davon ab die Verbreitung von Konvertern, die das Geogrid Format in GeoTiff umwandeln, zu unterbinden, indem sie die Betreiber der FTP Server einschüchtern. Interessanter Weise nicht den Autor der Software selber. Laut der Meinung eines Rechtsanwaltes ist das auch nicht möglich. Nur hat EADS den größeren Geldbeutel und ein FTP Betreiber nimmt nicht gerne für einen ihm unbekannten Autor den Rechtsstreit auf.

Was dieser Rechtsanwalt aber auch ganz klar sagt: Die LVÄ halten die Rechte auf den Kartendaten. Somit müssen sie einer Umwandelung in GeoTiff zustimmen. Das wiederum ist aus meiner Sicht nachvollziehbar. EADS wird sich in diesem Fall fügen müssen, ist also nicht relevant.

Wenn folglich Interesse besteht diese Daten für Betriebssysteme wie Linux oder OSX zugänglich zu machen, müssten die LVÄs, oder besser ihre Dachorganisation, überzeugt werden Open Source Projekte , die eine Kompatibilität herstellen, zu dulden. Da es sich hier meiner Meinung nach um steuerfinanziertes Allgemeingut handelt, ist das ein überfälliger Schritt. Nur,... eine Hand wäscht in diesem Land die Andere. Man nennt es auch Bananenrepublik ;) Ohne einen lauten öffentlichen Aufschrei wird sich nichts an diesem unseligen Junktim ändern.

Gut für EADS und Microsoft, schlecht für den Markt und wirklich innovative Lösungen. Deshalb stößt mir die Lobhudelei aus dem Artikel auch mächtig sauer auf.

Oliver


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BeitragVerfasst: Di 17. Jun 2008, 23:52 
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Geomaster
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Beifall für den Beitrag von kiozen! Der Umgang der Behörden mit den von uns bezahlten Geodaten nervt mich schon seit Jahren. Meine Hoffnung stützt sich eher auf Projekte wie osm, die vielleicht eines Tages alle benötigten Geodaten frei zur Verfügung stellen. Dann könnte man endlich die Vermessungsverwaltungen auflösen. Überflüssig sind sie ja schon längst.

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BeitragVerfasst: Mi 18. Jun 2008, 18:37 
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Geocacher
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Hallo,

vorab ein Sternchen an kiozen.

Herausgefordert hat mich aber Geometer42; zu einem Statement, das nicht politisieren sondern mit seinen letzten Quellenangaben nachdenklich stimmen soll.

Zitat:
Dann könnte man endlich die Vermessungsverwaltungen auflösen. Überflüssig sind sie ja schon längst.

In NRW ist das Landesvermessungsamt bereits demontiert und als 7. Abteilung der Bezirksregierung Köln angehängt. Bravo ! Einen Sumpf trockengelegt. Vor einigen Jahren undenkbar.

Die überflüssigen Aufgaben eines LVAs kann man hier finden (viel Stoff, nur überfliegen)
Geschäftsbericht LVA
Aufgaben, die der Staat mit hoch qualifiziertem Personal noch vor kurzem ausführen wollte, jetzt aber nach und nach einstellt

„Mit Wirkung vom 8. Juni 2007 muss das Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen die Herstellung von Tourismus- und Freizeitkarten einstellen“

Kurzer Blick über den Kanal: auch das Royal Greenwich Observatory wurde nach 300 Jahren Bestand aufgelöst. Tusch ! Feuerwerksmusik !

Wie definieren wir in Zukunft Staat ? Privatisieren was nur geht und dem Spiel der Kräfte auf dem Markt überlassen ? Missverständnis: „Privatisieren“ heißt ja nicht, dass es Dir oder mir überlassen wird sondern es werden ein paar Cleverles heruntertarifierte Mitarbeiter genau die gleichen Aufgaben wahrnehmen lassen (Gebäudereinigung, Post etc.).

Gerade um der Willkür von Diadochen und dem Pfründewesen Einhalt zu gebieten und ein besseres Staatswesen zu schaffen, wurde einst eine straffe Verwaltung mit Bürokratie, Staatsdienern und gegen Jedermann geltenden Vorschriften aufgebaut,

s. http://de.wikipedia.org/wiki/Preu%C3%9Fische_Reformen ,
Dort “Bürokratie und Staatswesen”

s.a. http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrokratie
Dort wenigstens den Abschnitt „Bürokratie bei Max Weber und Wallraff“ lesen.


Über die Gebührenstruktur bei Geodaten wird ja m.W. diskutiert.


Grüße Wallraff


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BeitragVerfasst: Mi 18. Jun 2008, 20:44 
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Geomaster

Registriert: Sa 12. Mai 2007, 21:01
Beiträge: 671
Ehrlich gesagt habe ich nichts gegen die LVAs und denke, dass sie auch wichtige Arbeit leisten. Das Land ändert sich und das muss erfasst werden. Ich habe auch kein Problem damit, dass dieses Material an Firmen verkauft wird damit diese ihren Kram machen (z.B. Garmin Topo). Dass man als Bürger neben Steuern ein 2. Mal zur Kasse gebeten wird ist ärgerlich. Noch dazu weil der Preis gesalzen ist. Aber auch das ärgert mich jetzt nicht wirklich.

Dass jedoch einer privatrechtlichen Firma wie EADS das Monopol für das Kartenformat zugeschoben wird, ist die wirkliche Sauerei. Der Staat sollte daran kein Interesse haben. Das sind Geschaftelhubereien von Beamten.

Im Interesse des Staates wäre es, dass viele innovative Ideen um diese Daten entstehen und damit ein Markt für diese Ideen. Dies wäre mit einem freien, offenen Kartenformat zu erreichen. Und das wäre nachhaltig. Monopole sind es in der Regel nicht.

Ich zahle gerne Steuern für die LVAs. Nur möchte ich dann auch einen barrierefreien Zugang zu den Daten. Das würde schon reichen.

Oliver


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BeitragVerfasst: Mo 23. Jun 2008, 11:02 
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Geocacher
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Registriert: Do 25. Jan 2007, 13:26
Beiträge: 17
Wohnort: Nördlingen
Zustimmung für Wallraff !
Was mich an dieser oder ähnlichen Diskussionen etwas stört, ist, wenn pauschale Behauptungen aufgestellt werden, die den Kern nicht so ganz treffen. Pauschal ist, wenn Ämter erst mal als unproduktive Schlechtarbeiter abgestempelt werden. Oder wenn eine angebliche oder echte Steuerfinanzierung als Totschlagargument angebracht wird.
Zum ersten: Seht Euch doch mal eine amtliche Topokarte genau an. Das sind nicht bloß bunte Bildchen, das sind 1a-Produkte, in denen 200 Jahre Vermessungsgeschichte stecken, und die der freie Markt meiner Meinung nach so nie hervorbringen würde, weil die Informationen keine unmittelbare wirtschaftliche Verwendbarkeit haben, somit für ein gewinnorientiertes Unternehmen also nicht interessant sind. Katastrophal, wenn die LVÄs aufgelöst werden. Schlimm, wenn die Herstellung von Wanderkarten aufgegeben wird. Ich habe das Gefühl, man opfert die Vermessung dem Fetsich Privatisierung. OSM ist schön und gut, es hat seine volle Berechtigung, aber an eine TK25 kommt das nie heran.
Zum Zweiten: DFK und Topokarten sind in Deutschland zu teuer, das ist richtig. Aber: Die Herstellung von Flurkarten und Topokarten kostet auch eine Menge Geld. Die Preise für die Geodaten werden deshalb angesetzt, um die Kosten der Herstellung zumindest teilweise über den Verkauf wieder hereinzubringen. Man kann fordern, dass Geodaten billiger oder kostenlos abgegeben werden, weil das im Interesse der Allgemeinheit steht. Dieser Meinung bin ich auch*. Aber das hat dann zur Folge, dass die Geodaten massiv (oder noch massiver) mit Steuergeldern subventioniert werden müssen. Ich arbeite bei einem "Poweruser" von Geodaten, einem Netzbetreiber. Die Firma zahlt jährlich wahre Unsummen für Flurkarten und sonstige Geodaten. Man kann schon darüber nachdenken, ob es wirklich sinnvoll ist, großen kommerziellen Anwendern die Geodaten mehr oder weniger zu schenken, und statt dessen über Steuern von Allen bezahlen zu lassen.

*) OK, Insider-Sicht eines Geographen :/

Ach so, was mir beim Überlesen noch aufgefallen ist: Entgegen dem, was mein Cachername nahelegt, habe ich nichts mit einem Amt oder gar einem Tiefbauamt zu tun, ich spreche also nicht in Eigeninteresse.

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tiba


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