moenk hat geschrieben:
Eine heute vorgestellte Studie der Micus Management Consulting GmbH "Chancen für Geschäftsmodelle deutscher Unternehmen im europäischen und im globalen Geoinformationsmarkt" sieht für deutsche Firmen erhebliche Marktchancen im internationalen Markt für Geoinformationen.
http://www.heise.de/newsticker/Der-Mark ... ung/109261Ich schließe mich der eher pessimistischen Ansicht der TU Wien an. Die Art und Weise mit der die über Steuergelder finanzierten Daten dem Verbraucher zugänglich gemacht werden, spottet jeder Beschreibung.
* Um an qualitativ gute Daten von gesamt Deutschland zu kommen braucht man einen Goldesel. Wie im Artikel beschrieben geht das auch anders.
* Bei den DEM (Digital Elevation Model) Daten sieht das ähnlich aus. USA kein Problem. In Europa insbesonderes Deutschland zu horrenden Preisen.
Man muss hierzu bedenken, dass diese Daten ja schon alle bezahlt sind. Steuern sei Dank. Es kommt aber noch schlimmer.
Die Ämter, insbesonderes in Bayern, setzen zwar neuerdings gerne auf offene Standards in ihrer eigenen IT Infrastruktur (Linux). Nutzen also gerne Open Source für lau. Selber halten sie es mit der Offenheit nur sehr bedingt. Es stinkt zum Himmel, dass die Topo Karten in einem proprietären Format verkauft werden, von dem ein privatwirtschaftliches Unternehmen (EADS) profitiert. Der Staat zementiert hiermit das Monopol von EADS und Microsoft. Vorne Hui, hinten Pfui.
EADS bringt es sogar so dreist, dass es gleich 2 mal abkassieren will. Jede Topokarte wird mit dem Geogrid Viewer verkauft (1. Mal). Und EADS will bei jeder Software mitverdienen, die das Geogrid Format liest (2. Mal). Dieses wird zum einen erzwungen, da ein kommerzieller Anbieter es sich nicht leisten kann ein proprietäres Format zu unterstützen, dass er nicht 100% kennt. Zum anderen setzt EADS eine Menge FUD in die Welt, indem es behaupten das Geogrid Format wäre verschlüsselt. Ein Auslesen würde somit geltendes Recht brechen. Das ist Quatsch. Das Geogrid Format beinhaltet alle Daten in Klartext. Ein Schlüssel ist nicht nötig. Die Kartendaten sind als Kacheln LZW kodiert. Die einzige Besonderheit ist eine erweiterte Farbtabelle, die aus heutiger Sicht nichts bringt. Daten binär und undokumentiert abzulegen gilt zum Glück noch nicht als Verschlüsselung.
Das hält die Rechtsabteilung von EADS nicht davon ab die Verbreitung von Konvertern, die das Geogrid Format in GeoTiff umwandeln, zu unterbinden, indem sie die Betreiber der FTP Server einschüchtern. Interessanter Weise nicht den Autor der Software selber. Laut der Meinung eines Rechtsanwaltes ist das auch nicht möglich. Nur hat EADS den größeren Geldbeutel und ein FTP Betreiber nimmt nicht gerne für einen ihm unbekannten Autor den Rechtsstreit auf.
Was dieser Rechtsanwalt aber auch ganz klar sagt: Die LVÄ halten die Rechte auf den Kartendaten. Somit müssen sie einer Umwandelung in GeoTiff zustimmen. Das wiederum ist aus meiner Sicht nachvollziehbar. EADS wird sich in diesem Fall fügen müssen, ist also nicht relevant.
Wenn folglich Interesse besteht diese Daten für Betriebssysteme wie Linux oder OSX zugänglich zu machen, müssten die LVÄs, oder besser ihre Dachorganisation, überzeugt werden Open Source Projekte , die eine Kompatibilität herstellen, zu dulden. Da es sich hier meiner Meinung nach um steuerfinanziertes Allgemeingut handelt, ist das ein überfälliger Schritt. Nur,... eine Hand wäscht in diesem Land die Andere. Man nennt es auch Bananenrepublik

Ohne einen lauten öffentlichen Aufschrei wird sich nichts an diesem unseligen Junktim ändern.
Gut für EADS und Microsoft, schlecht für den Markt und wirklich innovative Lösungen. Deshalb stößt mir die Lobhudelei aus dem Artikel auch mächtig sauer auf.
Oliver